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Castellan

Verfasst: 13.07.2014 11:25
von MrSkull
Taktikspiel für 2 Spieler ab 10 Jahren von Beau Beckett.

Die Spieler planen und bauen eine Burg für den König und müssen dabei äusserst geschickt mit ihren Ressourcen umgehen, damit sie nicht plötzlich ohne Baumaterial dastehen. Abwechselnd platzieren sie Mauerteile an derselben Burg und wer am Ende die meisten Innenhöfe befrieden konnte, gewinnt.


Spielvorbereitung:
Die Bauteile (lange und kurze Mauerteile und Türme) werden als Vorrat bereitgelegt und die Spieler erhalten in ihrer Wahlfarbe ihr Kartenset (14 Bauteilekarten) sowie 10 Bergfriede.
Ihre Karten teilen die Spieler in zwei verdeckte Stapel (s. Rückseite, Mauer- und Turm-Karten) und nehmen sich je zwei davon.


Spielziel:
Die meisten Siegpunkte zu erreichen und damit Castellan zu werden.


Spielablauf:
Der aktive Spieler muss in seinem Zug mindestens eine Karte ausspielen (aber beliebig viele - hier nur Vorsicht, damit man später nicht eingeschränkt ist, wenn zu wenig Auswahl auf der Hand verbleibt!) - gepasst wird nicht!
Anhand der ausgelegten Karte(n) - der Spieler kann soviele Karten gleichzeitig auslegen, wie er/sie möchte - sieht man, welche Bauteile aus dem Vorrat genommen und verbaut werden müssen!

Nun legt er die Mauer- und/oder Turmbauteile an bzw. im ersten Zug beginnt er die Burg (für ausuferndes Bauen sollte ein halber Quadrameter Platz auf dem Tisch sein^^) mit diesen - es wird immer nur eine Burg gebaut.
Um Mauerteile zu verbinden, wird immer ein Turm benötigt und umgekehrt, somit will mit den langen und kurzen Mauerstücken gut überlegt sein, wie bzw. wo man sie anlegt, um schliesslich Innenhöfe - ein i.d.R. viereckig umschlossener Leerraum - fertigstellen zu können.
Wurde ein Innenhof erstellt, platziert der Spieler einen seiner Bergfriede hinein und belegt somit seinen Anspruch. Einmal im Spiel darf auch ein doppelter Bergfried verbaut werden (zwei aufeinandergestellt), dieser Innenhof zählt am Ende dann die doppelte Punktzahl.
In dem äusserst seltenen Fall, dass einmal ein Bauteil nicht genutzt werden kann, muss es dem Gegenspieler überlassen werden, der es dann in seinem Zug mit verbauen darf.

Wurden alle Teile angelegt, darf eine Karte von einem der beiden Stapel nachgezogen werden - evtl. dürfen auch mal mehr Karten gezogen werden, wenn auf einer der ausgelegten Baukarten ein entsprechendes Symbol vertreten war. Die ausgelegten Karten kommen aus dem Spiel und der Gegenspieler ist nun am Zug.


Spielende:
Sobald alle Baumaterialien aufgebraucht sind (bzw. alle Karten ausgespielt wurden; Material und Karten sind genau aufeinander abgestimmt), endet das Spiel und die Wertung folgt.
Die Spieler zählen die Türme pro befriedetem Innenhof ab und addieren die Punkte - der Innenhof mit dem doppelten Bergfried wird doppelt gezählt. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.


Varianten:
Mit ein paar dezenten Regeländerungen kann man auch zu 3. oder 4. spielen. Dazu wird allerdings zusätzlich die US-Ausgabe von Castellan benötigt, da nur diese mit roten und blauen Bergfrieden geliefert wird und so dann vier Farben zur Verfügung stehen.


Fazit:
Castellan ist ein sehr eingängiges, schnelles und in der Handhabung einfaches Taktikspiel, welches aber mehrere Spielrunden benötigt, um alle taktischen Kniffe und Finessen zu erschliessen.
So baut man am Anfang noch relativ unbelastet drauf los, nur um alsbald festzustellen, dass da viel mehr Tiefgang im Spiel ist, denn die unerwartet vielen Möglichkeiten, die das Kreieren von Innenhöfen bietet, müssen erst einmal verarbeitet und umgesetzt werden^^.
Mit den unterschiedlichen Mauerlängen vorausschauend Blaupausen im Kopf entstehen zu lassen, ist herrlich fordernd. Vor allem den dezenten Glücksanteil beim Ziehen der Bauteilekarten sowie die immer total ungünstig platzierten Mauern und Türme des Gegners, muss man jedes Mal erneut taktisch umschiffen und eine andere Vorgehensweise ausklamüsern^^.
Da wird ein großer Innenhof mit Zwischentürmen mal ruckzuck durch Quer"streben" in mehrere Höfe aufgeteilt oder ein hoffnungslos L-mäßig geformtes Etwas bekommt auf einmal eine geschlossene Form, etc.

Die Runden verlaufen kurzweilig, spannend, spaßig und es motiviert genug, um mehrere Spiele hintereinander zu absolvieren.
Das Material, gänzlich aus Kunststoff gefertigt, ist ebenfalls solide und nur selten hie und da etwas hakelig ineinander zu stecken - dafür halten die Teile gut zusammen, so dass man das gesamte Burggebilde, bei Bedarf, jederzeit auf dem Tisch verschieben kann, ohne dass etwas auseinanderrutscht.

Die Regeln sind sehr gut übersetzt worden und die Anleitung ist gut strukturiert und so erschliesst sich das Spiel auch jedem sehr schnell - was die Testrunden in stark unterschiedlicher Besetzung bewiesen.

Hier liegt also ein feines 2er-Taktikspiel vor, dass gerne zwischen Artverwandten im Regal stehen darf und immer mal wieder hervorgeholt werden wird.



weiterführende Hinweise:
- Verlag: Steve Jackson Games
- BGG-Eintrag: http://www.boardgamegeek.com/boardgame/114903/castellan
- HP: http://www.sjgames.com/castellan/
- Anleitung: deutsch, englisch, französisch, spanisch, italienisch
- Material: sprachneutral
- Fotos: HP/?p=6348